Essen von Bananen vor dem Museum

Fotograf*in: _Alicja_

Am Montag fand eine kleine Bananenrevolution vor dem Nationalmuseum in Warschau. Protestiert wurde gegen seinen Direktor Jerzy Miziołek. Dieser ließ zwei Bilder der Ausstellung verschwinden, weil sie ihm nicht ins Bild passten.

Der Direktor des Nationalmuseums bevorzugt wohl eher eine traditionelle Perspektive. Die Geschlechterrollen in seinem Bild sind klar verteilt. Deswegen störten ihn wohl zwei Arbeiten von den Künstlerinnen Natalia Lach-Lachowicz und Katarzyna Kozyra. Natalia LL (geb. 1937) verspeist in einer Serie von mehreren Fotos eine Banane. Hierbei handelt es sich um ein Werk aus dem Jahr 1972, das zum Kanon der feministischen Avantgardekunst gezählt wird. Der polnische Titel lautet „Sztuka konsumpcyjna” (= Konsumkunst).

Von Katarzyna Kozyra (geb. 1963) wurde wiederum das 2005 im Zuge einer Performance entstandene Werk „Lou Salome“ entfernt. Es zeigt die Künstlerin, die an der Leine zwei Hunde hält. Ihre Schnauzen haben die Gesichter von Nietzsche und Rainer Rilke. Der Direktor ist jedenfalls der Meinung, dass bestimmte Bilder aus dem „Gender-Bereich“ nicht gezeigt werden sollten. Sie seien schädlich für die Jugend. Seltsam ist nur, dass der neue Direktor (seit 30. November 2018) die Arbeiten nach einem Besuch im Büro des Kulturministers der PiS-Regierung Piotr Gliński abhängen ließ.

Gegen die Entscheidung von Miziołek hat sich Widerstand gebildet. Eine Protestkundgebung wurde am Montag den 29.04.2019 um 18 Uhr vor dem Nationalmuseum abgehalten. Der Name bezog sich auf das Werk von Natalia Lach-Lachowicz: Essen von Bananen vor dem Nationalmuseum („Jedzenie Bananów Przed Muzeum Narodowym“). Protestiert wurde gegen die Zensur des Direktors, die von einigen im Kontext der gegenwärtigen Politik in Polen gesehen wurde.

Siehe:
Witold Mzorek: Komu przeszkadza banan? „Tematyka z zakresu gender nie powinna być pokazywana w Muzeum Narodowym”. In: oko.press, 27. 04.2019.
Radosław Opas: Warszawiacy masowo zjedzą banany. Protest po zakazie w Muzeum Narodowym. In: o2.pl, 28.04.2019

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