Heiße Ware. Shop des Museums des Zweiten Weltkrieges

Fotograf*in: Jroepstorff, Das Museum des Zweiten Weltkriegs (Muzeum II Wojny Światowej) in Danzig, 25. Mai 2017, CC BY-SA 4.0  

Das Museum des Zweiten Weltkrieges in Danzig sorgte bereits vor seiner offiziellen Eröffnung am 23. März 2017 immer wieder für Schlagzeilen. Nun erhält es mediale Aufmerksamkeit durch seinen Museumsshop. Genauer gesagt, wegen dem, was sich so in den Regalen befindet.

In einigen polnischen Zeitungen ist eine neue Schlagzeile zum Museum des Zweiten Weltkrieges (= poln. Muzeum II Wojny Światowej) zu finden. Genauer gesagt geht es um seinen Museumsshop und sein Angebot. So wird in der Online-Ausgabe der Zeitung Gazeta Wyborcza vom 7. August berichtet, dass sich nun im Warensortiment des Museumsshops die kontroverse Marke »Red is bad« befindet. Es ist ein Modelabel, das für seine patriotische Mode bekannt ist. Gerne werden seine T-Shirts von polnischen Nationalisten und Nationalistinnen getragen und auch in der Hooligan-Szene erfreuen sie sich großer Beliebtheit.

Wofür steht aber die Marke?

Im Angebot dieses Modelabels befinden sich T-Shirts, die sich eindeutig gegen die Europäische Union wenden. Auf einem der Produkte ist der Slogan »Blue is red. Red is bad.« zu finden, wobei »blue« sich eindeutig auf die Flagge der Europäischen Union bezieht. Hierbei wird also eine Analogie zwischen der Sowjetunion und Europäischen Union gemacht. Ein anderes Slogan ist »Free people against blue system.« Auf der Homepage ist nachzulesen, dass die Produktion nicht durch das Geld der Europäischen Union finanziert wird. Gleichzeitig wird Folgendes betont: »RED IS BAD schon immer war, ist und wird gegen die Europäische Union in seiner gegenwärtigen Gestalt sein« (»RED IS BAD od zawsze było, jest i będzie przeciwne Unii Europejskiej w obecnym kształcie […]«).

Ein weiteres T-Shirt-Motiv ist ein mit einer roten Linie durchgestrichenes Foto von den Gesprächen am Runden Tisch. Dabei garantierten diese einen gewaltfreien Übergang vom kommunistischen Regime zur demokratischen Republik. Das erinnert an die PiS-Rhetorik von der nie abgetretenen »Monomacht der postkommunistischen Eliten«, die den »Verrat in ihren Genen tragen.«* Kurz: Der Runde Tisch hätte nach dieser Deutung den alten Eliten die Macht und Ämter garantiert und die endgültige Befreiung Polens verhindert.

Ein beliebtes Motiv auf den T-Shirts dieser Marke sind die »Verstoßenen Soldaten« (= poln. Żołnierze wyklęci). Seit einigen Jahren ist in der polnischen Erinnerungskultur ein »Boom der Verstoßenen«** zu beobachten. Die Erinnerung an sie ist überall präsent und wird auch gerne politisch instrumentalisiert. Die Erinnerung an sie ist eine heldenhafte und vereinfache Erzählung. Nach Marcin Zaremba ist ihre Geschichte aber komplexer: »Ohne den vielen Soldaten und Offizieren des antikommunistischen Untergrundes, die entschlossen waren für ein freies und unabhängiges Polen zu kämpfen, ihren Heroismus absprechen zu wollen, kann nicht übersehen werden, dass sich ihr Kampf langsam immer häufiger in eine grausame Karikatur seiner selbst verwandelte.«*** Sie erwähnt somit nicht die schweren Verbrechen an der Zivilbevölkerung und schon gar nicht die antisemitisch motivierten Ermordungen der Überlebenden des Holocausts.

Patriotische Mode

Das erhöhte Interesse an der patriotischen Mode wird schon seit längerem beobachtet. Zu einem Dauerrenner gehören die Symbole des Warschauer Aufstands, die nicht nur auf der Kleidung sondern auch als Tattoos sich großer Beliebtheit erfreuen. Inzwischen kann auch nicht von einem Interesse einiger Randgruppen gesprochen werden. Vielmehr ist diese Mode im Mainstream angekommen. Das steht natürlich im Zusammenhang mit der historischen Deutung, die die PiS-Partei propagiert. Museen sind dabei unter anderem Instrumente einer Geschichtspolitik, die vor allem auf das Heldenhafte und das Opferreiche verweisen. Komplexe historische Entwicklungen werden auf einfache Wahrheiten niedergebrochen, was die Verwendung schwieriger Symbole und historischer Ereignisse erleichtert. Die polnische Geschichte ist nun voller Helden und Heldinnen und nur in wenigen Fällen sind einige Täter und Täterinnen zu finden. Bei letzteren wird aber auf die Komplexität der Geschichte verwiesen, um möglichst auch ihnen die Absolution zu erteilen. So zum Beispiel bei den Verstoßenen Soldaten. Von diesem Besinnen auf polnische Werte und die heldenhafte Symbolik profitiert die patriotische Mode.

Was wird dazu wohl der Direktor sagen?

Karol Nawrocki ist seit April 2017 der Leiter des Museum des Zweiten Weltkrieges. Seine Position hat er kaum wegen seiner wissenschaftlichen Expertise erhalten, da er kein Experte für den Zweiten Weltkrieg ist. Vielleicht sind es eher seine Publikationen zum Fußball gewesen, die ihn nominierten? Inwieweit er patriotische Kleidung tragende »Fußballfans« interviewt hat, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Sicherlich spielte seine Nähe zur PiS-Partei eine Rolle, die den vorherigen Direktor Paweł Machcewicz nach einem medialen Kampf ersetzt hat. Immer wieder sorgte dieser auch für internationale Schlagzeilen. Jarosław Kaczyński störte sich am Museum als Projekt seines politischen Konkurrenten Donald Tusk aus der Bürgerplattform (= poln. Platforma Obywatelska, PO), der gegenwärtig Präsident des Europäischen Rates ist. Dazu war der polnische Kampf nicht heldenhaft und die Opferrolle nicht eindeutig genug in der Ausstellung gezeigt worden. So ist zumindest im Shop die erste Veränderung erfolgt. Den PiS-Politiker wird es freuen. Vielleicht kauf er sich da einige T-Shirts wie sein Kollege und von ihm eingesetzte Ministerpräsident der Republik Polens Mateusz Morawiecki. Bereits zuvor wurde immer wieder Andrzej Duda in T-Shirts der im Museumsshop nun verkauften Marke gesehen. Morawiecki und Duda bekleiden dabei die zwei höchsten Ämter der Republik Polens. Was soll da schon einem Direktor passieren, der ganz auf der Linie der PiS-Partei agiert?

(Christoph)

* Ulrich Krökel: Rechtspopulismus in Polen: Kaczyńskis Kampf gegen angebliche postkommunistische Eliten. In: Bundeszentrale für politische Bildung, 6. Januar 2017

** Maria Kobielska: Die „Verstoßenen Soldaten“. Embleme eines Erinnerungsbooms. In: Zeitgeschichte Online, 19. Juli 2016

***  Marcin Zaremba zitiert nach Maria Kobielska: Die „Verstoßenen Soldaten“. Embleme eines Erinnerungsbooms. In: Zeitgeschichte Online, 19. Juli 2016

Sehe auch:
Markus Nowak: Mode mit patriotischen Symbolen in Polen. Seit dem Rechtsruck salonfähig. In: Deutschlandfunk Kultur, 10. August 2016

2 Replies to “Heiße Ware. Shop des Museums des Zweiten Weltkrieges”

  1. Hallo Christoph!
    Du sprichst da ein wichtiges Thema an, denn diese Meinungen gehen vom Wegschauen nicht weg und es gibt sie überall in Europa. Gerade jetzt befindet sich Europa in einer Umbruchphase. Wir wissen nur noch nicht, wohin es geht. Weil wir der Meinung sind, dass es Zeit ist, auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch zu kommen, wagen wir uns gerade an unser Projekt #SalonEuropa vor Ort und digital. Ab 23. September wird es eine Blogparade dazu geben, vielleicht habt ihr dann Lust, dabei zu sein?

    Herzliche Grüße aus dem Museum Burg Posterstein,

    Marlene Hofmann

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