Leider nein! Keine Gedenktafel für Lech und Jarosław Kaczyński in Danzig

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Es sind schon ein paar Tage vergangen, dass die Nachricht von einer Gedenktafel für die Brüder Lech und Jarosław Kaczyński in polnischen Medien auftauchte. Sie sollte an die Beteiligung beider am Streik vom August 1988 in der Lenin-Werft erinnern. Die Enthüllung sollte im Zuge des 38ten Jubiläums des Augustabkommens und der vorausgehenden Streiks von 1980 sowie des 30ten Jubiläums der Streiks von 1988 erfolgen. Diese Ereignisse mündeten in den Runder-Tisch-Gesprächen und führten damit zur Überbrückung des politischen Nachkriegssystems der Volksrepublik Polens.

Am 31. August sollte die Gedenktafel enthüllt und neben der Erinnerung an die Ereignisse der 1980er-Jahre das Projekt »Werft Danzig 4.0. Neuer Anfang« (Stocznia Gdańsk 4.0. Nowy początek) vorgestellt werden. Bei diesem Projekt geht es v.a. um die wirtschaftliche Revitalisierung der Werft auf der Insel Ostrów in der Stadt Danzig.* Da es sich um einen wichtigen Ort historischer Ereignisse handelt, ist es verständlich, dass hier eine Gedenktafel enthüllt werden sollte. Unklar ist jedoch, wieso gerade an die Beteiligung der Brüder Kaczyński. Auf der Gedenktafel sollte stehen, dass Lech und Jarosław Kaczyński sich» während des Streiks von 1988 in der Halle 26 aufgehalten haben« (= »przebywali w hali nr 26 w czasie strajku w 1988 r.«).**

»Ein bis dahin unbekanntes Foto von Jarosław während seines Stipendiums in London.«

Im Internet hat die Formulierung und der Grund für die Gedenktafelenthüllung jedenfalls für Inspiration gesorgt. So sind auf Twitter einige kreative Kommentare zu diesem Thema erschienen. »Wie stolz das klingt: Sie haben sich in der Halle aufgehalten.«, so Lech Wałęsa. Andere haben darauf hingewiesen, dass sie immerhin nicht allein da waren, sondern mit 200 anderen Personen. Sie wunderten sich also, dass gerade sie eine Gedenktafel erhalten sollten. Schließlich waren sie wirklich nicht die wichtigsten Akteure des Streiks von August 1988. Für den Jornalisten Łukasz Rogojsz von der Gazeta.pl eine zweifehlafte Auszeichnung, die eher Menschen lächerlich mache.**

»Danke dem Unbekannten für das Schaffen des super Mems :))« Bildtext: »Diesen Stein hat 1988 Lech und dann Jarosław auf dem Weg zur Werft getreten«

Die Gedenktafelenthüllung sollte jedenfalls eine Art Überraschung sein. So wurde Jarosław Kaczyński als Vorsitzender der PiS-Partei nicht davon informiert oder zumindest zu spät. Er hat jedenfalls sein Okay nicht gegeben. Eine Gedenktafel wurde für ihn und seinen verstorbenen Bruder somit nicht enthüllt. Allerdings wurde das Projekt von zu ihm aufschauenden Parteigenossinnen und Parteigenossen nicht komplett begraben. Bis dahin kann er sich an dem Anblick einer anderen Gedenktafel erfreuen. Vor seinem Haus haben Unbekannte eine »Gedenktafel« mit der Aufschrift »In diesem Haus hat sich seit der Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 heldenhaft Jarosław Kaczyński unter der Bettdecke versteckt« (»W tym domu od 13 XVII 1981 przez okres stanu wojennego ukrywał się bohatersko pod pierzyną Jarosław Kaczyński ps. Balbina«).***

* Wioletta Kakowska-Mehring: Przedstawiono pierwsze założenia projektu “Stocznia Gdańsk 4.0 – nowy początek”. trójmiasto.pl, 31.August 2018

** u.a. Ryszarda Socha: Przebywali w hali, czyli komedia omyłek. In: Polityka, 29. August 2018, oder W stoczni odsłonią tablicę braci Kaczyńskich. Ale program budzi rozbawienie. “Kabaret”. In: GAZETA.PL, 28. August 2018

***Tablica przed domem Jarosława Kaczyńskiego. “Bohatersko się ukrywał”. In: Rzechpospolita, 4. September 2018

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