Musealisiert sich Europa dieser Tage? Wer hilft Italien?

Der Corona-Virus greift um sich. Er verarbeitet Angst und Schrecken, jedenfalls mehr oder weniger. Weniger, weil manche ihre freie Zeit für einen Ausflug an einen See oder einen Berg nutzen. Zeit in der Quarantäne braucht schließlich Abwechslung. Abwechslung, die der kulturelle Bereich mit unterschiedlichen Angeboten zu unterstützen versucht. Auf Zeilenabstand.net werden einige dieser Angebote aufgelistet. Eine schöne Initiative sind sicherlich Balkonkonzerte, die Zusammenhalt demonstrieren. Nur in Wien scheint so etwas nicht immer zu funktionieren.

Doch reichen Balkonkonzerte aus? Einige versuchen Italien durch Singen Mut zu machen, ein Beispiel kommt aus Bamberg. Auch die Musiker des Serbischen Nationaltheaters solidarisieren sich mit Italien, indem sie ein Konzert für Italien per Video veranstalten.

Durchaus, das sind schöne Gesten, aber reichen diese aus? Oder musealisiert sich Europa gerade selbst: Als eine Idee, die zwar nach Außen ein WIR betont, die aber im Inneren kein WIR kennt. Ist klar, die die an der Grenze warten, ausharren, vielleicht auch bald erkranken, die zählen nicht zu dem WIR. Das passt schon so, das meine ich sarkastisch. Schließlich haben sie nichts mit Europa zu tun. Sie gehören in den Orient und wir wissen ja … .

Doch bleiben wir innerhalb Europas – wo bleiben die Masken für Italien? Wo sind die medizinischen Geräte, das medizinische Material, um Italien zu unterstützen? Wie kann es sein, dass europäische Länder genau dieses Material, das auf dem Weg nach Italien war, einbehalten? Wie kann es sein, dass Pflegekräfte auf ihrem Weg zu ihrer Arbeit verhaften und über Nacht eingesperrt werden wie Verbrecher*innen? Bleiben es nur Gelder, die wir nach der Katastrophe dem Land überweisen? Und sind es nur Lieder, die wir jetzt singen können? Eigentlich wird auf dem Blog nur das Thema Museum behandelt. Dabei schaue ich immer wieder über die Grenzen hinweg nach Polen. Aber wozu habe ich nun einen Blog, wenn ich nicht diese Fragen formulieren kann? Fragen, die doch gerade wichtig sind und die vielleicht irgendwann eine Station in irgendeinem Museum sein werden. Wie werden die Antworten aber sein?

Siehe auch:

Elisabeth Braw: The EU Is Abandoning Italy in Its Hour of Need. In: Foreign Policy, 14.02.2020.

Lieferung für Italien: Tschechien und Polen kassieren Masken und Beatmungsgeräte ein. In: Kuriert, 22.03.2020.