Politische Berufung führt zu Missmut

@Julia Sakelli

Eine (internationale) Welle der Entrüstung hat die Berufung von Beata Szydło in das Gremium der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau hervorgerufen, die als ein weiterer Schritt zur Politisierung kultureller Einrichtungen in Polen betrachtet wird.

In einigen Blogartikeln habe ich bereits die Geschichtspolitik der PiS-Partei beschrieben. Auch 2021 bleibt sich diese Partei im Hinblick auf ihre Geschichtsdeutung treu. Diesmal handelt es sich um die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, genauer gesagt um das Gremium, das aus Expertinnen und Experten besteht. Als eine Expertin wird von Polens Kulturminister Piotr Gliński jedenfalls Beata Szydło gesehen. Sie war bis zu ihrem Rücktritt im Jahr 2017 Ministerpräsidentin des Landes und ist seit der Europawahl 2019 für ihre Partei PiS eine Abgeordnete im Europäischen Parlament.

Der Kulturminister Gliński sieht dabei ihre politische Karriere als wenig hinderlich für die Übernahme eines Amtes in dem Gremium. Vielmehr betont er, wenn er der Direktor einer Institution wäre, in deren Gremium so eine Person sei, würde er sich freuen und geschätzt fühlen. Für ihn könne so eine Person wie Szydło bei der Entwicklung und der Funktion dieser Institution nur helfen.* Das sehen die anderen Mitglieder*innen des Gremiums anders. Aus diesem Grund sind einige Personen nach der Bekanntgabe der Entscheidung zurückgetreten.

Verweise

* „… więc ja, gdybym był dyrektorem instytucji, w radzie której zasiada taka osoba, to bym się cieszył i czuł się dowartościowany, bo na pewno jest to osoba, która może pomóc w rozwoju i funkcjonowania tej instytucji”. IN: OŚWIĘCIM. Beata Szydło ma potrójny mandat do bycia w Radzie Muzeum Auschwitz-Birkenau, oswiecimonline.pl, 17.04.2021.

Weiterführende Artikel

Adam Leszczyński: Prof. Krajewski: Beata Szydło w radzie Auschwitz grozi upolitycznieniem muzeum-symbolu. IN: OKO.press, 29.04.2021.
Jacek Lepiarz: Polen: Droht dem Auschwitz-Museum die Politisierung? IN: Deutsche Welle, 20.04.2021.

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