Polnische Geschichtspolitik 2020

MacQtosh, Katowice. Nowa siedziba Muzeum Śląskiego, 2014, CC BY-SA 4.0

Die polnische Geschichtspolitik der PIS-Regierung füllt seit 15. Jahren die Seiten der unterschiedlichsten Nachrichtenblätter. In die Schlagzeilen geraten so oft Museen und ihr Personal. Das Jahr 2020 fügt sich nahtlos in diese bedauerliche Entwicklung ein.

POLIN

Inzwischen hat sich weltweit herumgesprochen, dass das POLIN (Museum der Geschichte der polnischen Juden) noch immer keinen Direktor hat. Der ehemalige Direktor Dariusz Stola wird einfach nicht von dem Kulturminister der PIS-Regierung Piotr Gliński berufen. Stola verzichtet inzwischen lieber auf seinen Posten, obwohl es die Kandidatur für die erneute Übernahme diesen Postens gewann. Dadurch kommt Bewegung in die Sache. An seiner Stelle wird wohl Zygmunt Stępiński die Leitung von POLIN übernehmen. Seit 2012 war er bereits in POLIN als Stellvertreter Stolas tätig, wodurch er profunde Kenntnisse über das Museum mitbringt. Nun kehrt vielleicht Ruhe im Museum ein.

Den Sturm löste wohl eine Ausstellung aus, die so überhaupt nicht dem historischen Selbstbild und somit der Geschichtspolitik der Regierung entsprach. In dieser wurde die antisemitische Kampagne von März 1968 thematisiert, die von der damaligen polnischen Regierung initiiert und getragen wurde. Sie zeigte somit, dass Polen nicht frei von einer Täterschaft ist, auch wenn es sich gerne nur im strahlenden Licht des Heldentums badet oder auf seine eigene Opfer verweist. Stola wurde aber auch vorgeworfen, dass er nicht bereit war eine Konferenz zu organisieren, die sich Lech Kaczyński widmen sollte. Kurz, Stola machte sich nicht wirklich beliebt.

Schlesisches Museum

Mit der Beliebtheit ist aber so eine Sache. Sie misst sich nicht nur an Erfolgen, die Stola vorweisen konnte. Auch Alicja Knast hat das in den letzten Tagen erfahren müssen. Die Direktorin des Schlesischen Museums hat ihre Stelle als Direktorin verloren, da sie angeblich gegen das Recht verstoßen hat. Vor dem Gericht ist jedenfalls nichts behandelt worden. Bekannt ist aber eine Untersuchung, während der Unregelmäßigkeiten im Hinblick auf die Finanzen festgestellt wurden. Bereits 2018 wurde das Schlesischer Museum kontrolliert, da konnte aber noch nichts der seit 2014 wirkenden Direktorin vorgeworfen werden. Vielmehr scheint die Kündigung politisch motiviert zu sein. Vor allem der Woiwodschaftsmarschall Jakub Chełstowski (PiS) hat nur wenig Gefallen an der Art und Weise des Museums gefunden, das ihm laut einiger anonymer Quellen zu regional und zu wenig polnisch gewesen ist. Verschärfend kam wohl dazu, dass Alicja Knast nicht immer in seinem Sinne gehandelt hat.

Siehe auch

Geschichtspolitik in Polen Entscheidung im POLIN Museum. Martin Sander im Gespräch mit Michael Köhler. In: Deutschlandfunk, 15.02.2020.

Jagielski, Piotr: Koniec kryzysu w POLIN: Zygmunt Stępiński zaaprobowany przez ministerstwo kultury. In: Onet, 14.02.2020.

Szewczuk, Katarzyna: Awantura o Muzeum Śląskie. “Ta historia przejdzie do podręczników” . In: Onet, 04.02.2020.

Zasada, Marcin: Nie było podstaw, by odwołać dyrektor Muzeum Śląskiego Alicję Knast – potwierdza Minister kultury Piotr Gliński. In: Dziennik Zachodni, 13.02.2020.