Polnischer Museumsboom 2019: Erster Ausblick

Fotograf: Andrew Dunn, Turmdrehkran mit Nadelausleger, 2004, CC BY-SA 2.0

Das neue Jahr ist noch jung und doch tut sich schon so einiges in der polnischen Museumslandschaft. Bereits mein letzter Eintrag hat sich mit den neuesten Entwicklungen beschäftigt. Dieser Artikel widmet sich dem weiter andauernden polnischen Museumsboom.

Es ist schon etwas länger her, dass ich im Artikel „Postindustrielle Landschaften. Technik- und Industrieerbe in Polen“ auf Industrie- und Technikmuseen verwiesen habe. Nun wird das erste Museum für Hüttenwesen in Polen entstehen. Es wird sich in der Industriestadt Chorzów befinden, die unweit von Katowice und Bytom gelegen ist. Die Region um diese drei Städte ist sozusagen der polnische Ruhrpott. Mehr über die Geschichte des oberschlesischen Industriereviers kann bereits im Schlesischen Museum erfahren werden, das sich auf dem Gelände der Zeche Katowice befindet. Für den Neubau in Chorzów sind bis jetzt mehr als 32 Millionen Zloty eingeplant worden.

Eine weitere Investition im Museumsbereich erfährt das Museum im Schloss Lublin. Hierbei handelt es sich um die Renovierung des Schlosses und Erweiterung der Ausstellungsfläche um 300 Quadratmeter. Die Umbauarbeiten zielen auch auf die Barrierefreiheit. Für die Renovierung des Schloss Lublin wurden ca. 33 Millionen Zloty eingeplant, wobei die Europäische Union davon 17,7 Millionen Zloty beisteuert. Gleichzeitig expandiert das Museum zusätzlich. Zu diesem Zwecke wurde der Lubomirski-Palast erworben. Das 1907 gegründete Museum ist bereits jetzt eine der größten Institutionen seiner Art in Polen. Hier wird die Geschichte der östlichen Gebiete behandelt, die einst zu Polen gehörten. Noch wird am Konzept gearbeitet.

Ein neues historisches Museum wird sich der Person des Priesters Jerzy Popiełuszko widmen. Dieser gilt als ein Märtyrer der Gegenwart, da er 1984 von den Offizieren des Staatssicherheitsdienstes der Volksrepublik Polen ermordet wurde. Das Museum wird sich in seinem Geburtsort Okopy befinden. Ganz im Sinne des Kulturministers Piotr Gliński wird es die Stärkung der nationalen Identität als primäre Aufgabe haben. Da der Minister der PiS-Partei angehört, wird wohl auch die historische Darstellung an ein nationales Epos aus dem 19. Jahrhundert erinnern: Thema wird „wir“ und „sie“ sein, wobei Popiełuszko für diese Zwecke instrumentalisiert wird.

Ein weiterer Bau steht vor seiner Vollendung. Das Museum der Erinnerung an Sibirien (pl. Muzeum Pamięci Sybiru). Es wird seine Pforten in der Stadt Białystok eröffnen, welche in den Kriegsjahren zwischen 1939 und 1941 unter sowjetischer Besatzung stand. In dieser Zeit wurden viele der Bewohner*innen durch die Besatzungsmacht nach Sibirien deportiert. Das Museum widmet sich dieser noch im Ort latent lebhaften Erinnerung. In wie weit wird es ein weiteres geschichtspolitisches Instrument der PiS-Regierung sein?

Laut Mariusz Bykowski werden gegenwärtig etwa 30 Museen in ganz Polen gebaut oder renoviert. Doch in einigen Orten wird nur von einem Museum geträumt. So auch am Müskendorfer See (pl. Jezioro Charzykowskie) in Pommern. 2022 wird der älteste Segelklub Polens sein hundertjähriges Jubiläum feiern. Ein Traum wäre ein schickes Museum zum Geburtstag zu eröffnen. Dieses wäre zugleich eine Investition in den Tourismus. Diverse Pläne schwirren schon in der Luft und auch Gespräche werden bereits geführt. Ob der Segelklub ein Museum als Geschenk erhält, ist jedoch noch immer nicht ganz sicher.

Andersorts sind sie schon weiter. Zwar steht da noch kein Museum, aber die Schulden sind schon bereits gemacht worden. Ein Thema, das immer gerne verschwiegen wird: Fehlinvestitionen im Museumsbereich. In Kijany sollte ein modernes multimediales Museum in einem Palast entstehen. Laut Paweł Puzio ist jedoch das Geld der „Stiftung Think Tank des Weges von Jan III. Sobieski“ (pl. Fundacja Think Tank Szlaku Jana III Sobieskiego) ausgegangen. Offensichtlich ist auch das Interesse der Stiftung am Projekt vergangen. Dabei sollte ein Hologramm den Sieg des polnischen Königs Jan III. Sobieski, der Wien am 12. September 1683 in der Schlacht am Kahlenberg befreite, gegen die Osmanen zeigen. Hat da ein Heroe etwa Pech? Schließlich wurde ihm bereits im letzten Jahr ein Denkmal in Wien verweigert.

Nun, da werden wohl bald schöne neue Museen in Polen stehen. Vor allem scheint die Zahl historischer Museen noch nicht groß genug zu sein. Die PiS-Regierung erzählt nun einmal gerne von Helden und Heldinnen, von polnischen Siegen und den anderen als Täterinnen. Ich gehe somit davon aus, dass der Vorschlag der Opposition unerhört bleibt. Diese würde gerne ein Museum eröffnen, das sich mit polnischen Protesten gegen die Verletzung des Rechts nach den Wahlen von 2015 widmet. Die Idee ist schon im Dezember aufgekommen. Objekte gäbe es genug, meint die Abgeordnete der Stadt Warschau Agnieszka Jaczewska-Golińska. T-Shirts mit der Aufschrift Verfassung, Stecknadeln und Plakate sind bereits zu genüge da. Die PiS-Anhängerinnen sind naturgemäß anderer Meinung. Für sie waren die Proteste belanglos und hysterisch. Doch die Objekte wurden schon einmal gesammelt und sie werden Institutionen wie dem Warschauer Museum übergeben. Ob und wann sie gezeigt werden, steht in den Sternen.

Siehe auch:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.