Wie digital sollten Museen sein?

Bild Grossflosser, Privatsammlung, Bildbearbeitung Christoph

Auf seinem Blog museum.beck.stage ladet Dr. Thorsten Beck an seiner Blockparade teilzunehmen. Er fragt, „Wie digital sollten Museen sein?“. Einige mehr als profunde Antworten wurden bereits abgegeben. Hier sind meine Überlegungen zu dem spannenden Thema.

Welche digitalen Angebote sollte jedes Museum machen?

Zuerst dachte ich, dass das Verb „sollen“ unnötig sei. Es gibt eine Vielzahl an Museen, die unterschiedliche Ansätze verfolgen und somit unterschiedliche Strategien haben. Nicht jedes Museum braucht somit ein digitales Angebot. Bei genauerem Nachdenken wurde mir aber klar, dass eine Homepage heute ein Muss ist. Einige kleinere Museen haben diese leider immer noch nicht. Christian Gries gibt in seiner Antwort an, dass 95% der Museen in Bayern eine Homepage haben. Ich nehme somit an, dass ein kleines Überbleibsel an Museen entweder nicht die nötigen Ressourcen dazu hat oder sich gar nicht an ein breites Publikum richtet. Diese Museen sind wohl das, was Angela Jannelli als „Wildes Museum“ bezeichnet. Aber diese Museen brauchen zumindest eine Homepage, wenn sie mehr als nur vielleicht ihre überschaubare und auf persönlichen Beziehungen beruhende Besucher*innenschar erreichen wollen. Die Homepage mit den wichtigsten Informationen ist also das Minimum, das jedes Museum heute haben sollte und inzwischen auch sich leisten kann. In ihrer Antwort gibt Anita Thanhofer weitere interessante und sicherlich wichtige digitale Angebote an. Diese sind meiner Meinung nach zwar sehr spannend, aber teilweise eher nur für große Institutionen wirklich machbar. Isabell Fiedler und Olivia Harrer denken, dass digitale Kommunikation Museen dabei hilft, ihren sozialen, musealen und gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen. Ich teile wohl ihre Meinung, aber bei kleinen, v.a. den erwähnten Wilden Museen, sehe ich diesen Auftrag nicht. Aus öffentlichen Geldern finanzierte Institutionen sollten sich aber schon dem verpflichtet fühlen. Sie kassieren schließlich dafür Geld. Sie sollten also eine Palette von digitalen Angeboten bereitstellen, die ein divers gedachtes Publikum ansprechen.

Sind Museen ohne digitale Angebote heute noch wettbewerbsfähig?

Alle Teilnehmer*innen der Blogparade relativieren diese Frage. Das würde ich auch am liebsten machen. Leider ist die Realität anders. Die Geldgeber*innen/ Politiker*innen verlangen Nachweise über Erfolge. Verschenkt wird nichts mehr. Die meisten Museumsleiter*innen mit ihren Marketingabteilungen machen mit bzw. haben keine andere Wahl als mitzumachen. Somit könnte ein Museum ohne digitale Angebote nicht mehr wettbewerbsfähig wirken. Nicht mehr fancy sein, zu verstaubt daher kommen. Doch Museen eignen sich noch immer sehr gut als Imageträger. Nicht nur wegen ihrer Architektur sondern auch wegen des digitalen Angebots. Nicht umsonst kommen Politiker*innen weiterhin gern zu Ausstellungseröffnungen. So lässt sich schließlich das eigene kulturelle und soziale Kapital aufladen, um es dann bei Wahlen zu investieren. Macht das digitale Angebot Museen somit wettbewerbsfähig? Ich denke ja, zumindest bei Bewerbung um finanzielle Gelder punkten sie mehr als objektorientiert aufgestellte Häuser.

Was macht ein überzeugendes digitales Profil aus?

Männermode, Privatsammlung, Bildbearbeitung Christoph

Ein überzeugendes digitales Profil besticht durch seine Beziehungen. So gehen digitale Angebote in Ausstellungen eine Beziehung zu den realen Objekten ein. Sie konkurrieren nicht um die Aufmerksamkeit, sondern erweitern das Wahrnehmungsspektrum. Sie ermöglichen das Beantworten neuer Fragen, denen sich das Objekt selbst versperrt. So wird mit Kurzfilmen im Kunsthistorischen Museum Wien die Funktionsweise der Tischautomaten gezeigt. Eine Erläuterung auf textlicher Ebene wäre sicherlich weniger spannend.

In Beziehung steht die Ausstellung auch mit dem Social Media-Kanal des Museums. Das bedeutet aber, dass diese Beziehung auf Augenhöhe zwischen den diversen Mitarbeiter*innen und dem Personal der digitalen Abteilung geführt werden sollte. Für Anita Brunner-Irujo besteht so eine digitale Abteilung aus einem Kernteam und einem erweiterten Team. Dazu kommen noch die externen Partner*innen. Schwierige Ausgangssituation für eine ausgewogene Kommunikation auf Augenhöhe.

Ein mögliches Problem ist, dass digitale Abteilungen näher dem Marketing als dem Inhalt gedacht werden. Also eine ausgewogene Beziehung ist hier erforderlich. Natürlich gilt das auch für die Beziehung zwischen den digitalen Angeboten und den Sammlungen, der Vermittlung, der Forschung und den Besucher*innen. Dazu brauchen Museen schlicht und einfach auch Geld. Und das Museum muss ganzheitlich gedacht werden. Am Gespräch müssen Mitarbeiter*innen der digitalen Abteilungen genauso teilnehmen wie die Vermittler*innen, Gestalter*innen, Kurator*innen etc. Dabei scheint mir, dass Museen noch immer so ihre Probleme mit der Kommunikation zwischen Gestaltung, Vermittlung und Inhalt haben – Hat die Vermittlung in den meisten Museen überhaupt was zu sagen? Ein überzeugendes (digitales) Profil eines Museums lässt somit ausgewogenen Beziehungen erkennen.

Wie stellst Du Dir das digitale Museum der Zukunft vor?

Bild im Hintergrund: The Merry Family, Jan Havicksz. Steen, 1668, Rijksmuseum, Bildbearbeitung Christoph

Ich hoffe nicht, dass dieses Museum der Zukunft ein digitaler Müllberg sein wird. Voller Datensätze mit verpixelten Bildern und Skulpturen, die einer Suchmaschine bedürfen, um sich in den Ausstellungsräumen zurechtzufinden. Überall flimmert es, überall klickt es wie in einem schlechten SF-Film aus den 1960er-Jahren. Nur Roboter haben Spaß an diesem Museum (A museum for robots), da sie hier ihre Speicherkarten mit unnötigen Daten aus den digitalen Sammlungen auffüllen. Die digitale Kunst aus dem frühen 21. Jahrhundert werden sie vielleicht nicht mehr lesen können, weil sie technologisch so überholt ist, dass sie mit ihren Systemen nicht mehr kompatibel ist. Zu human in ihrem Denken, zu lächerlich. Durch den Wahnsinn der Verdatung früherer Jahrhunderte werden sie mit Vergnügen den Menschen studieren, um vielleicht humanoid über Museumsdinge zu träumen.

(Christoph)

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