Ding/ Objekt/ Exponat

K. Hoins: »Die Arbeit des Museums zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es das Objekt mitsamt seiner unterschiedlichen Seinsebenen, Epistemologien und Erkenntnisse akkumuliert und diese als Möglichkeiten mit dem Objekt vorhält. Dieser Zustand der Potentialität hat seinen primären, konzeptuellen Ort im Depot – es ist der eigentliche Hort der Latenz der Objekte. Damit ist es dem Museum als Institution prinzipiell möglich, die Objekte so verfügbar zu halten, dass die Sammlung historische, aktuelle oder künftige Bedeutungen, Eigenschaften oder Funktionen als Potential enthält. Zum Zeitpunkt des Sammelns ist dabei noch nicht unbedingt abzusehen, welche Bedeutung in ihnen steckt. Das einer Museumssammlung innewohnende Potential der Dinge lässt sich deshalb lediglich als fiktive Gesamtheit imaginieren, nie aber vollständig realisieren. Gerade in der Latenz bestimmt sich der Wert und die gesellschaftliche Bedeutung des Museums; »ein schon gegebenes und doch […] noch nicht antizipierbares Potential. Dies bewahren die Dinge als Latenz: als Möglichkeit einer späteren Befassung mit anderen Erkenntnisinteressen, anderem Aufmerksamkeitsfokus, anderen Methoden, in anderen Theorierahmen.« Darin besteht nach Strohschneider der »Eigensinn der Sammlung«.«

Katharina Hoins, Felicitas von Mallinckrodt: Der dritte Ort. Neuer Materialismus und Museum. In: Bernadette Collenberg-Plotnikov (Hg.): Das Museum als Provokation der Philosophie. Beiträge zu einer aktuellen Debatte, Bielefeld 2018, S. 199–213, S. 206.