Ding/ Objekt/ Exponat

R. Fayet: »Die Vieldeutigkeit der Dinge liegt denn auch nicht, wie Parmentier meint, primär in den funktionalen Veränderungen begründet, die sie im Verlaufe der Geschichte erfahren, in dem Sinne, dass sich die verschiedenen Bedeutungen »in aufeinanderfolgenden Schichten, wie Jahrringe gewissermassen« an den Objekten festsetzen und diese so »allmählich mehrdeutig« würden. Objekte sind von Anbeginn weg vieldeutig, weil sie immer eine Vielzahl von Zeichen aufweisen – dies gilt selbst für einen fabrikneuen Plastikbecher. Genau darin besteht der Unterschied zwischen Dingen und Worten: Diese verbinden einen Signifikant mit einer Vorstellung, bei den Dingen hingegen ballen sich in einer materiellen Einheit mehrerer Zeichen zusammen. Zwar sind diese Zeichenkonglomerate nicht zufälliger Natur, denn die Bedeutungseinheiten stehen sowohl hinsichtlich ihrer Entstehung wie ihrer Rezeption in innerer Beziehung zueinander, dennoch wählt der Betrachter zuweilen einzelne Zeichen aus.«

Roger Fayet: Das Vokabular der Dinge. In: Christine Braunersreuther, Karl Stocker: Historische Wirklichkeitskonstruktion und künstlerische Gestaltung im Museum. Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, Heft 1, Innsbruck 2007, S. 7–31, S. 12.