Identität

G. Fliedl: »Vor allem aber ist das Museum hinsichtlich Macht und Identität eines: kein neutraler Ort. Weder Kuratorinnen und Kuratoren noch Ausstellungsmacherinnen und Ausstellungsmacher noch Vermittlerinnen und Vermittler oder wer auch immer sonst können sich außerhalb des Feldes der Macht positionieren. Verschleiert wird das dadurch, dass die Museumserzählungen und Repräsentationsformen eine allgemeine Gültigkeit und Verbindlichkeit behaupten, obwohl sie immer eine Auswahl darstellen, immer nicht-Gesagtes enthalten und immer mit Ausschüssen einhergehen. Museumserzählungen sind Setzungen, haben partikulare Geltung, doch behauptet das Museum das Gegenteil, nämlich die allgemeine Verbindlichkeit seiner Werte und Erzählungen.
Und: Ich habe von der Verschleierung der Autorschaft gesprochen. Dieses Verschleiern verstärkt beim Museum den Eindruck, als handle es sich immer um objektive Tatsachen und Ideologien geformte Veranschaulichung und Erzählung.«

Gottfried Fliedl: Für ein Museum des Konflikts. In: Thomas Winkelbauer (Hg.): Haus? Geschichte? Österreich? Ergebnisse einer Enquete über das neue historische Museum in Wien. Wien 2016, S. 175–191, S. 181.