Ironisches Museum

S. Bann: »Von daher lautet meine Definition des ironischen Museums zunächst, daß es in der Lage sein sollte, zwei alternative, doch nicht gänzlich widersprüchliche Lesearten der ausgestellten Objekte zu beherbergen. Es soll nicht unbedingt die Tatsache verheimlichen, daß viele von ihnen als Resultat eines willkürlichen und unmoralischen Aktes der Machthaber dorthin gekommen sind, und daß einige von ihnen entfremdete Fragmente eines größeren Ganzen sind. Doch es sollte ebenso danach streben, die schiere Komplexität des Kulturgeflechts darzustellen, das Resultat dieser Serie von Willkürakten und mutwilliger Zerstörung ist. Ich spreche hier natürlich genau von dem Effekt, den unsere großen Museen tatsächlich darbieten. Doch es scheint nötig zu sein, selbst das Offensichtlichste anzusprechen, solange die Anschuldigung, Museen seien institutionalisierter Diebstahl, zumindest begrenzt Gehör findet.«

Stephen Bann: Das ironische Museum. In: Jörn Rüsen, Wolfgang Ernst und Heinrich Theodor Grütter (Hg.): Geschichte sehen. Beiträge zur Ästhetik historischer Museen, Pfaffenweiler 1988, S. 63–68, S. 65.