Kunstkammer/ Wunderkammer

C. Welzbacher: »Diese Herausforderungen repräsentierte die Kunstkammer anschaulich, indem sie die Objekte nach dem jeweiligen Stand des Wissens ordnete und mithilfe dieser Ordnung in ein Gesamtsystem brachte, dessen Höhepunkt der ordnende Mensch selbst markierte. Auf ihn bezog sich das System als Ganzes. Fragen nach der Rationalität dieser Ordnung, nach einer göttlichen Geometrie, die sich in wiederkehrenden Zahlen- und Proportionsverhältnissen, in allen Erscheinungen der Natur, in einer Weltharmonie spiegeln, schwingen in der Kunstkammer mit.

Aber das war im Hinblick auf das Wesen der Kunstkammer eben nicht alles, da der in ihr manifeste wissenschaftliche Forscherdrang immer auf den Auftraggeber, den Sammler der Gegenstände hin ausgerichtet war. In seinem Namen wurde gehortet und geordnet. In seinem Namen Wissen akkumuliert und vorgeführt. Er selbst sollte sich in seiner Kunstkammer repräsentiert fühlen, die er dazu mit Leidenschaft, Geschick und Geld ausbaute. In diesem Sinne war die Ordnung der Kunstkammer eine Repräsentation des Politischen, dort, wo der Sammler ein Fürst war, repräsentierte sie in direkter Weise Staatsmacht und Macht des Souveräns. Wissen und Macht waren damit in der Kunstkammer eng miteinander verzahnt, verwiesen wechselseitig aufeinander und bedingten sich.«

Christian Welzbacher: Das totale Museum, Berlin 2017, S. 21-22.