Kunstkammer/ Wunderkammer

G. Beßler: »Es gibt sie nicht mehr, nirgendwo: original erhaltene Kunst- und Wunderkammern aus der frühen Neuzeit – weder bürgerlicher, patrizischer, noch fürstlicher Couleur. Es ist also unbekannt, wie diese Sammlungsinszenierungen im 16. und im frühen 17. Jahrhundert tatsächlich ausgesehen haben – was zweifellos die Aura des Geheimnisvollen bis heute steigert. Nur ganz wenige Augenzeugenberichte aus jener Zeit geben rudimentär Auskunft. Authentische bildliche Darstellungen – vor allem aus der Frühzeit – fehlen, aber einiges erschliesst sich dennoch: Wunderkammern sind aus der Bezugnahme des Menschen zum Raum und zu den Dingen hervorgegangen. Als Sammlungsorte für die unterschiedlichsten Dinge sind sie eigentlich nicht Vorläufer von Museen, sondern verkleinerte Abbilder des gesamten Makrokosmos und damit begehbare Modelle einer dreidimensionalen Vorstellungswelt.«

Gabriele Beßler: Raumfindung Wunderkammer. Ein Weltmodell aus dem 16. Jahrhundert. In: Wunderkammern. werk, bauen + wohnen, Nr. 12 (2012), S. 12.