Kunstkammer/ Wunderkammer

C. Welzbacher: »Die Kunstkammer präsentierte […] das geordnete Weltwissen als Ausdruck fürstlicher Macht, sie war dabei Instrument und Symbol der Politik zugleich. Als Spiegelbild der von Gott übertragenen fürstlichen Obliegenheiten führte dies zu inneren Notwendigkeit ihrer stetigen Erweiterung, zur Vervollkommnung von Sammlung und Wissen, Einfluss und Macht. Gerade die direkte Verkettung von Kunst und Politik war das Stimulans des Sammlerimpulses, das die Fürsten dazu führte, Künstler und Wissenschaftler zu beauftragen, Neues und Unbekanntes zu entdecken und in die Sammlungen einzubringen. Das Konkurrenzverhältnis zwischen den europäischen Fürsten beim Aufbau ihrer jeweiligen Kunstkammern mochte diese Motivation weiter forcieren. In der Folge wurden die gesuchten Objekte zu Gütern, deren Preis und Angebot regelten: Mit der Kunstkammer bildete sich auch der Kunstmarkt heraus.«

Christian Welzbacher: Das totale Museum, Berlin 2017, S. 24–25.