Kunstmuseum

T. Bennett: »Die Mobilisierung des Kunstmuseums als zivile Technik bürgerlicher Ich-Bildung im Kontext einer allgemeinen Bildungskultur überschneidet sich auf auf komplexe Weise mit jenen anderen Prozessen, die Pierre Bourdieu beschreibt. Nach Bourdieu haben Kunstmuseen nämlich insofern zur Formierung von Klassen beigetragen, als sie die, welche bereits die Fähigkeit hatten, in den Bildungsprozess des eigenen Ichs durch Kunst einzutreten, von jenen differenzierten, denen diese Kompetenz abgesprochen wurde. Zugleich jedoch wurden Kunstwerke auch von einer »Ausweitungsbewegung« ergriffen, da die Verbesserung ihrer Verbreitung zum Thema wurde. So entstanden neue Einflüsse auf die Ich-Bildung, die eben eine Beschäftigung mit der komplexen Innerlichkeit des Kunstwerks ermöglicht, auch wenn das Kunstwerk oft, sobald es mit »dem Volk« in Kontakt gebracht wird, diese Komplexität verliert, weil es schlechthin zu einem didaktischen Instrument umgeformt wird, durch das die Sehgewohnheiten in belehrender Weise beeinflusst und reguliert werden.«

Tony Bennett,: Das Kunstmuseum als zivile Maschine. In: Charlotte Martinez-Turek, Monika Sommer (Hg.): Storyline: Narrationen im Museum, Wien 2009, S. 57–73, S. 64.