Musealisierung

M. Fehr: »Vom wissenschaftlichen, künstlerischen und praktischen Arbeiten unterscheidet sich die Musealisierung wie auch immer akquirierter Gegenstände vor allem dadurch, dass diese als Fragmente aus der Wirklichkeit erhalten und weitere physische Operationen an ihnen ausgeschlossen werden. Dazu werden sie zunächst magaziniert, konserviert und inventarisiert, also aus dem lebensweltlichen Kontext wie dem Wirtschaftskreislauf im Prinzip ein für alle Mal herausgenommen und als Gemeingüter bewahrt. Im nächsten Schritt werden die Dinge ästhetisiert, was nichts anderes bedeutet, als dass sie ohne lebensweltlichen Bezug (so zum Beispiel auch nicht als Waren) betrachtet und auf Dauer in diesem Status gehalten werden. Diese Ästhetisierung oder, in den Termini des historischen Materialismus ausgedrückt: diese Verdinglichung der Dinge bewirkt ihre konzeptionelle Konservierung als Objekte. Und diese wiederum ist die Voraussetzung für den nächsten Schritt der Musealisierung: die Möglichkeit ihrer Reflexion im Sinne eines sapere aude, in der an ihnen nicht zuletzt die Urteilskraft selbst erprobt werden kann. In jedem Fall ist eine solche – womöglich mehrdimensionale – Reflexion die Grundlage für die letzte Operation der Musealisierung, bei der mit den Objekten neue und immer wieder andere Zusammenhänge konstruiert werden können, da sie dabei nicht physisch verändert, sondern nur symbolisch bearbeitet werden.«

Michael Fehr: Zur Theorie des Historischen Museums, S. 1–9, S. 3. In: http://www.farbmalerei.org/Texte/Fehr_Theorie_Museum.pdf
Auch in Barbara Christoph, Günter Dippold (Hg.): Geschichte im Museum. Objekte und Konstrukte, Bayreuth 2012, S. 63-80.