Museum

J. Baur: »Zunächst also Grundlegendes: Das Museum entfaltet sich in einem Kraftfeld zwischen den Polen von Unordnung und Ordnung, zwischen Chaos und Kosmos. Auf der einen Seite kultiviert es ein ausgeprägtes Messie-Syndrom; es gründet auf „zwanghaftem Sammeln wertloser oder verbrauchter Dinge“. „Messies“, so heißt es, „neigen zum Sammeln bzw. Horten von Sachen, die ohne Störung als wertlos angesehen und weggeworfen würden.“ Ebenso das Museum, das kultur-, sozial- und alltagsgeschichtlich ausgerichtete zumal. Es widmet sich dem Abfall von Kultur und Geschichte, den Resten überkommener Epochen, eben jenen Dingen, die ihren Wert in der Welt außerhalb der Museumsmauern verloren haben. Hier findet das ganze Zeugs sein Endlager. Und in dieser Lagerung wird es, wie nicht zuletzt Michael Thompson und Krzysztof Pomian gezeigt haben, mit unschätzbarer Bedeutung aufgeladen, wird – wie dem Messie seine Müllberge – zum Schatz. Aus „Trash“ wird „Treasure“.
Zugleich – und hier kommt die Analogie an ihre klare Grenze – eignet dem Museum eine ganz entgegengesetzte Tendenz, nämlich ein regelrechter Ordnungszwang. Museen sind Agenturen des Sortierens, Kategorisierens, Systematisierens, Definierens.«

Joachim Baur: Messy Museums. Über Ordnung und Perspektiven des Museums. In: in: Reinhard Johler u.a. (Hg.): Kultur_Kultur. Denken, Forschen, Darstellen, Münster 2013, S. 369-377, S. 369–370.