Museum

J. Baur: »Dabei meinte der Begriff »Museum« im Renaissance-Verständnis zuallererst einen imaginären Raum. Jenseits eines konkreten Ortes bezeichnete es eine epistemologische Struktur, die eine Vielzahl von Ideen, Bildern und Institutionen umfasste. Durch die charakteristische Idee und Praxis der Sammlung konnte das Konzept die enzyklopädischen Tendenzen der Epoche zum Ausdruck bringen, wobei sich Sammlung keineswegs auf materielle Dinge
beschränkte. Musaeum wurde vielmehr in umfassenderem Sinne als Prinzip der Kumulation, Klassifikation und Ordnung von Wissen verstanden und in dieser Form auf verschiedene Felder angewandt. […] Zugleich konnte musaeum auch ganze Bibliotheken bezeichnen, etwa wenn Diderot noch 1751 in seiner Encyclopédie vermerkt, dass die Bibliothek der Medici in Florenz so reichhaltig sei, dass nur der Begriff Musaeum Florentinum ihren Charakter adäquat fassen könne.«

Joachim Baur: Was ist ein Museum? Vier Umkreisungen eines widerspenstigen Gegenstandes. In: Joachim Baur (Hg.): Museumsanalyse. Methoden und Konturen eines neuen Forschungsfeldes, Bielefeld 2010, S. 15–48, S. 20–21.