Museumspersonal

C. Welzbacher: »Wen jede Veränderung politischer Rahmenbedingungen auf die Museen einwirkt und auf diese Weise den Umbau der Sammlungen und die Neupräsentation der Objekte auslöst, so sind zur Umsetzung dieser Transformationen immer Menschen nötig. Diese Wissenschaftler, Kuratoren, Techniker, Gestalter und Bürokräfte erneuern derzeit Museen im Auftrag einer fortschreitend teilprivatisierten Kulturverwaltung – und deren Arbeitnehmerverhältnis ist dabei selbst von Teilprivatisierung geprägt. Das Ideal des jovialen, verbeamteten Staatsdieners, der in jahrelangem Trott seiner Arbeit im Museum nachkommt, ist längst einer anderen Berufsrealität gewichen: dem drittmittelgeförderten Gastkurator mit temporären Werkvertrag, versichert über die Künstlersozialkasse, steuerrechtlich am Rande der Scheinselbständigkeit, gegenwärtig prekär, prospektiv ein Fall von Altersarmut. […]

Die Entwurzelung des Personals wirkt zwangsläufig auf das Museum zurück, und dies in paradoxer Weise: Denn gerade weil die Kuratoren alles dransetzen, den Betrieb aufrechtzuerhalten, gibt es jene Normalität, die sie herzustellen versuchen, nicht mehr. Sie sind gleichsam – ohne es zu wollen – die Erfüllungsgehilfen eines Transformationsprozesses, der sich gegen sie selber richtet. Das betrifft dann neben dem formalen Verhältnis zur Arbeit auch die Inhalte, denn die Auflösung verbindlicher Zusammenhänge, klarer Aussagen, fixer Beziehungen überträgt sich auf die Objekte. Weil die Arbeitsbedingungen dem Kurator die Möglichkeit kritischer Selbstreflexion rauben degeneriert er auch auf dieser Ebene zum Erfüllungsgehilfen: Er agiert ferngesteuert im Sinne der politischen Tendenz, die den Umbau des Museums vorantreibt. Seine Kreativität wird erdrückt von den Rahmenbedingungen, seine Funktion als Korrektiv, als Kommentator, als kritisches Gegenüber der Kulturpolitik, als Intellektueller, Fachmann und Mensch ist marginalisiert. Die kulturpolitische Absicht hinter dem Museum kann dann ohne Reibungsverlust umgesetzt werden und ungefiltert in die neue Ausstellungspräsentation einfließen.«

Christian Welzbacher: Das totale Museum, Berlin 2017, S. 85–88.