Sammeln

S. Elpers, A. Palm: »Dabei stehen die Sammlungsobjekte im Kontext der Erinnerungsarbeit nicht nur für sich selbst – sie sollen insbesondere bestimmte Werte und Normen, Prozesse und Phänomene der betreffenden Zeit repräsentieren. In Ausstellungskontexten haben sie überdies eine Funktion als “Kommunikationswerkzeuge zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren.” Sie müssen sich, aus dem ursprünglichen Gebrauchskontext herausgenommen, nicht nur als Materialisierung der Erinnerung, sondern auch als Zeigewerke eignen, die ein Publikum zu “beeinflussen, anregen, bilden oder unterhalten” vermögen. Denn durch die museale Inszenierung werden die Dinge oftmals in einer verfremdeten Perspektive präsentiert; es handelt sich meist nicht um reale Dingensembles, sondern um künstlich geschaffene Anordnungen, die den Betrachterinnen und Betrachtern allgemeinere Sinnkonstruktionen vermitteln sollen. Die Funktionalität der Dinge als Zeichen und Bedeutungsträger in der Erinnerungs- und Vermittlungsarbeit im Museum bündelt Pomian im Begriff „Semiophoren“, mit dem er Museumsobjekte beschreibt. Hieran sind besondere Anforderungen an das Sammeln, also die Auswahl der Dinge, geknüpft und bezogen auf das Musealisierung von Gegenwart ergeben sich noch einmal spezifische Diskussionsfelder.«

Sophie Elpers, Anna Palm: Von Grenzen und Chancen des Sammelns von Gegenwart in kulturhistorschen Museen im 21. Jahrhundert. Eine Einführung. In: Sophie Elpers und Anna Palm (Hg.): Die Musealisierung der Gegenwart. Von Grenzen und Chancen des Sammelns in kulturhistorischen Museen, Bielefeld 2014, S. 9–28, 18.