Semiophoren

K. Pomian: »Alle Semiophoren sind zweiseitige Gegenstände: Sie weisen einen materiellen und einen semiotischen Aspekt auf. Der materielle Aspekt eines Zeichenträgers besteht wie der jedes Gegenstands in der Gesamtheit seiner physischen und äußeren Merkmale: Sein Ausgangsmaterial mit all seinen Eigenschaften, doch auch die Form, die er erhalten hat, da sie seine physischen Beziehungen zu anderen Gegenständen bestimmt. So kann das Innere eines Gefäßes andere Gegenstände aufnehmen und die Scheide eines Messers etwas zerschneiden. Was den semiotischen Aspekt eines Zeichenträgers betrifft, so sind es im Wesentlichen seine sichtbaren Merkmale, in denen man eine Verweisung auf etwas sehen kann, das augenblicklich nicht da ist, möglicherweise auch auf etwas, das ganz einfach als unsichtbar gilt. Die sichtbaren Merkmale dienen hier als Träger unsichtbarer Beziehungen; diese werden im Gegensatz zu physischen Beziehungen nicht so sehr durch die Hand hergestellt, als vielmehr durch Blick und Sprache.«

Krzysztof Pomian: Der Ursprung des Museums. Von Sammeln, Berlin 1998, S. 84.