Vermittlung

W. Ullrich: »So alt der Anspruch an das Museum sein mag, Kunst als öffentliches Gut allgemein zugänglich zu machen, so wurde er doch erst in den letzten Jahrzehnten wirklich ernst genommen. Und so sehr das Museum von Anfang an Werke transferierte und damit auch transformierte, so sehr betreibt es erst recht im Zuge der Vermittlung von Kunst deren fortwährende Anpassung, Übersetzung und Verwandlung. In ihm passiert somit der Sache nach heute nichts anderes als früher, nur dass die Transformationen jetzt zum Programm erhoben wurden und im Dienst jener kunstreligiös-sozialdemokratisch motivierten Vermittlungsarbeit stehen. Wo ehedem aus Werken Kunst gemacht wurde, wird diese nun in Impulse zur Ermächtigung eines höchst heterogenen Publikums übersetzt. Einst wie heute ist das Museum daher vor allem ein Ort des Verwandelns.«

Wolfgang Ullrich: Verwandeln und Vermitteln. Sozialpolitik im Museum. In: Bernadette Collenberg-Plotnikov (Hg.): Das Museum als Provokation der Philosophie. Beiträge zu einer aktuellen Debatte, Bielefeld 2018, S. 101–111, S. 108.