Vermittlung

D. Tyradellis: »Wenn von Vermittlung die Rede ist, dann hat das innermuseal noch immer pejorative Konnotationen. Wie selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass Vermittlung etwas Sekundäres sei, etwa für Senioren und Kinder, also solche, die man aus dem einen oder anderen Grund nicht ganz für voll nimmt. Es herrscht die Denkweise vor, dass Vermittlung zu dem Eigentlichen, der Ausstellung hinzukommt. Doch Ausstellungen werden nicht vermittelt, sie sind Vermittlung. Eine Ausstellung, die auf eine gesonderte Vermittlungsebene angewiesen ist, ist keine Ausstellung. Die Qualität einer Vermittlung und damit der Ausstellung im Ganzen hängt davon ab, beides als gleichursprünglich zu denken. »Die transzendentale Bedingungen des Denkens müssen dem ›Lernen‹ – und nicht dem Wissen – entnommen werden«. Nur wer sich um die zu vermittelnden Inhalte und ihre Formen Gedanken macht, ohne dabei von vornherein das eine oder das andere zu bevorzugen, bewegt sich in dem Terrain an dem »dritten Ort«, der das Spezifikum des Museums sein sollte.«

Daniel Tyradellis: Müde Museen. Oder: Wie Ausstellungen unser Denken verändern könnten, Hamburg 2014, S. 82.