Wildes Museum

A. Jannelli: »Ein wildes Museum ist zunächst nichts anderes als ein öffentlich zugänglicher ‚Schau-Platz‘ für gesammelte Objekte. Der Museumsmacher betreiben das Museum als Amateure, sie sind ‚non-professionals‘, d.h. keine ausgebildeten (Museums-) Wissenschaftler. Was sie auszeichnet, ist ihre freiwillige, oft geradezu hingebungsvolle Beschäftigung mit dem Museumsthema. Sie verfügen häufig über tiefgreifende persönliche Erfahrung mit ihrem Thema und sind damit (Alltags-) Experten für ihren Gegenstand. Auch wenn am Ursprung der Sammlung der Sammler in vielen Fällen ein einzelner ‚Gründungsvater‘ steht, ist das wilde Museum eine Gemeinschaftsangelegenheit, denn der Museumsbetrieb wird durch eine Gruppe getragen. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass die Sammlung gemeinsam betreut und erweitert wird, die Ausstellungen werden gemeinschaftlich eingerichtet, gepflegt und genutzt. Wilde Museen werden in Gruppeninitiative getragen, sie sind nicht die Schatzhäuser einzelner Privatsammler, sondern sie bewahren und präsentieren Dinge, die für eine Gruppe relevant sind. Charakteristisch für ein wildes Museum ist seine Objektfülle. Es gibt keine bewusste Trennung von Schau- und Studiensammlung bzw. von Ausstellungen und Depot. Im Museum werden möglichst viele Dinge gezeigt, ins ‚Archiv‘ (wie die Museumsmacher ihre Lagerräume häufig nennen) wandern höchstens Dubletten oder Gegenstände, die aufgrund von akutem Platzmangel nicht mehr in die Ausstellung integriert werden können. Die Inhalte des wilden Museums werden vorwiegend in Führungen erläutert. Die personale Vermittlung ist die wichtigste Form der Kommunikation mit dem Museumspublikum. Ausstellungstexte oder Objektbeschriftungen sind kaum oder nur in rudimentärer Form vorhanden.«

Angela Jannelli: Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums, Bielefeld 2012, S. 23–24.