Zielgruppe

Mit dem Wort Zielgruppe bringt man zum Ausdruck, dass man etwas von den Menschen möchte. Sie sollen in das Museum kommen, sie sollen sich die Produkte der Museumsarbeit ansehen, je öfter, desto besser. Eigentlich ist der Begriff Zielgruppe ein Relikt des alten produktbezogenen Denkens: Museen richten Ausstellungen aus, von denen sie meinen, dass die Leute sie sich ansehen müssen, weil sie wichtig sind, und nicht weil sie einem Bedürfnis entsprechen. […]
Doch genau darin besteht die Falle für viele Musen: Sie müssen immer mehr Menschen anziehen, um nicht an Bedeutung zu verlieren. Deswegen geht es den Museen immer mehr darum, wie viele Besucher sie verzeichnen können, und immer weniger darum, in welchem Ausmaß sie die Menschen in Staunen versetzen können.

Arnoud Odding: Das disruptive Museum als Netzwerk-Museum. In: Susanne Gesser, Martin Handschin, Angela Jannelli, Angela, Sibylle Lichtensteiger (Hg.): Das partizipative Museum. Zwischen Teilhabe und User Generated Content. Neue Anforderungen an kulturhistorische Ausstellungen, Bielefeld 2012, S. 74–85, S. 82–83.