Silberne Teigmasse: Paneum – Wunderkammer des Brotes

Paneum – Wunderkammer des Brotes@Christoph

Vor wenigen Wochen habe ich mir das „Paneum – Wunderkammer des Brotes“ angeschaut. Gelegen ist es irgendwo im Nirgendwo: Genauer gesagt an der Westautobahn A1 bei der Abfahrt Asten/St. Florian. Für die Nichtkenner*innen der österreichischen (Museums-)Landschaft, wir befinden uns etwa 20 km von Linz und kaum 8 km von Enns entfernt.

Das metallische Silbergehäuse ist schon von Weitem zu sehen und erinnert an eine Teigmasse. Für den Entwurf der kantenfreien Architektur ist Coop Himmelb(l)au und Wolf D. Prix verantwortlich, die dafür 2018 den Bauherrenpreis der „Zentralvereinigung der Architekten Österreich“ erhielten. Das Büro Coop Himmelb(l)au würde es gerne als ein Wolkenschiff erkannt sehen: Hmmm, jaaa, nein. Also ich sehe da kein Wolkenschiff. Es ist eindeutig eine in Architektur übersetzte Teigmasse, die auf dem Gelände der „backaldrin The Kornspitz Company“ steht. (Nur eine kurze Anmerkung an dieser Stelle: Diese hat mich NICHT für diesen Artikel bezahlt.) Zum Glück wurde auf eine Spitze verzichtet, weil damit sich u. U. eine weniger vorteilhafte Assoziation aufdrängen würde.

Ich muss zugeben, dass mich diese Silbermasse von außen weniger begeistert. Ich bin jedoch der Meinung, dass sie auf jeden Fall funktioniert. Die vorbeifahrenden Autofahrer*innen fragen sich sicherlich nach der Funktion des schöngeformten Silos und fahren dadurch vielleicht näher heran. Es ist somit eine Architektur, die neugierig macht – so war es jedenfalls bei mir.

Paneum – Wunderkammer des Brotes@Christoph

Der Eyecatcher im Inneren ist vor allem eine imposante Treppe, die sich durch die zwei Stockwerke zu der dritten Etage hochwindet. Meine Begleiterin war von den dadurch entstehenden Blickwinkeln umgehauen.

Paneum – Wunderkammer des Brotes@Christoph

Gleichzeitig bietet dieser breite Aufgang zusätzliche Fläche für das Ausstellen von weiteren Exponaten wie einigen Bildern aus unterschiedlichen Stilepochen zum Thema Brot.

Paneum – Wunderkammer des Brotes@Christoph

Die Ausstellung ist thematisch strukturiert. Sie wendet sich nicht einer lokalen Herstellung des Brotes zu, sondern geht im Allgemeinen auf die Geschichte der Brotbackkunst ein. So sind auch die Objekte aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt hier versammelt, die der Sammler und backaldrin-Firmeninhaber Peter Augendopler erworben hat.

Ausstellungstexte, Paneum – Wunderkammer des Brotes@Christoph

Die Themen sind „Bäckerstolz und Zunft“, „Schützen und Bewahren“, „Strafe“, „Hunger und Macht“, „Auf dem Felde“, „Betrieb und Vertrieb“, Verarbeitung“, „Glaube und Religion“, „Das Wissen der Welt“ und „Porzellanballett“.

Bibliothek, Paneum – Wunderkammer des Brotes@Christoph

Die Exponate werden vor allem zur Bebilderung der Themen verwendet. Die Exotika verschaffen einen zusätzlichen Aha-Effekt wie die Feldwächter aus Sierra Leone oder die Kornmumie aus Ägypten. Sie werden nicht nur durch Informationstafeln näher erläutert, sondern sind per Audioguide erklärt. Bei den Debatten um die Provenienz stellt sich auch bei ihnen die Frage, welchen Weg sie schon hinter sich haben.

Kornmumien, Paneum – Wunderkammer des Brotes@Christoph

Es ist eine thematisch aufgeräumte Ausstellung, die sicherlich nicht informativ überlastet. Sie unterhält ihre Besucher*innen mit einer Vielzahl an diversen Exponaten, die vielleicht an eine Wunderkammer zu erinnern vermögen. Vor allem stehen sie auch für das Prestige und die finanzielle Potenz ihres Eigentümers, wie eben die Dinge in einer Wunderkammer. Sie sind also Teil einer gelungenen Marketingstrategie eines Unternehmens, das mit ihrer Ausstellung zu begeistern vermag. Mit dem sich in der Nachbarschaft befindenden „Freilichtmuseum Sumerauerhof“ kann somit die Abfahrt Asten/St. Florian gleich zwei Museen vorweisen. Wer einen unterhaltsamen Nachmittag sucht und eine Pause vom Autofahren braucht, weiß nun, wo er/sie abfahren muss: Für ein Kornspitz ins „Paneum“ und dann vielleicht noch kurz ins „Freilichtmuseum Sumerauerhof“ hinein, wenn die Abfahrt schon genommen wurde.

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