Supermans Super Museum

Fotograf*in Slorge, »Super Museum«, Metropolis 2006, CC BY-SA 3.0

Ist es ein Eisladen? Ist es eine Bonbonfabrik? Nein, es ist das »Super Museum«. Eine Institution, die sich einem sportlichen Mann im blauen Ganzkörperanzug mit einem roten Umhang widmet. Hier ist alles zu finden, was das Herz von Superman-Fans höher schlagen lässt. So hoch wie »the Man of Steel« fliegen kann.

Das »Super Museum« hat übrigens wenig mit dem in den Schlagzeilen wird immer wieder gerne verwendeten Begriff Supermuseum gemein, auch wenn sich für mich hier die Assoziationskette gedanklich auftut. Mal steht es für eine riesige Sammlung, mal für noch größere Kosten, die der Bau einer solchen Institution verursacht. So wird das Humboldt-Forum in Berlin immer wieder als ein Supermuseum betrachtet. Auch in Saarbrücken findet sich ein Supermuseum, nämlich die Moderne Galerie des Saarlandmuseums, die etwas mehr gekostet hat als ursprünglich geplant wurde. Das nie gebaute Führermuseum in Linz wird gelegentlich ebenfalls als ein Supermuseum bezeichnet. Mit dieser Institution und weiteren Bauten sollte in der oberösterreichischen Landeshauptstadt ein kulturelles Zentrum der Nationalsozialist*innen entstehen. Von Hitler wurde 1939 der Dresdner Museumsdirektor Hans Posse (1879–1942) mit dem »Sonderauftrag Linz« betraut. Er und sein Nachfolger Hermann Voss (1894–1987) bauten unter anderem die Sammlung für das Führermuseum mittels enteigneter Kunstsammlungen aus jüdischem Besitz auf. Die Realisierung des Museumsbaus sollte aber nie erfolgen. Assoziationskette Ende.

Das »Super Museum«

Das tatsächliche »Super Museum« – oder zumindest das Supermuseum von dem hier berichtet wird – wurde 1993 in der offiziellen Heimat Supermans in Metropolis, Illinois (USA) eröffnet. Ein Projekt für ein Superman-Museum in dieser Kleinstadt mit kaum 7000 Einwohner*innen reicht aber viel weiter. Auch hier wurde ein ehrgeiziger Plan wie in Berlin und Saarbrücken verfolgt. Es sollte etwas Besonderes entstehen, das den verschlafenen Ort auf die touristische Landkarte hochkatapultieren würde. Deswegen wurde bereits 1972 ein Themenpark mit einer etwas mehr als 60 Meter hohen Superman-Statue geplant. Zwischen den roten Stiefeln Supermans sollten die Autos auf das Freizeitgelände einfahren. Das Projekt konnte jedoch nicht realisiert werden. Es fiel der Ölpreiskrise der 1970er-Jahre zum Opfer.

Erst 1986 wurde das Projekt in einem etwas kleinerem Rahmen wieder aufgegriffen. Eine ca. 2 Meter hohe Superman-Figur wurde enthüllt und zierte nun den Ortskern. Der »Mann aus Stahl« – in dem Fall jedoch aus Fieberglas – wurde jedoch angegriffen. Vandalen zündeten ihn an. Kein Held, keine Heldin und wohl auch nicht die örtliche Feuerwehr kam zeitig genug, um ihn zu retten. Der Sieg ging an die Bösewichte. Die Kleinstadtbewohner*innen gaben aber nicht auf. Zur 15ten Superman-Jubiläumsfeier wurde eine neue und härtere Version der Superman-Skulptur enthüllt. Aus dem »Man of Steel« wurde ein Mann aus Bronze, allerdings in Farbe. Im gleichen Jahr fand die Eröffnung des Museums statt, das dem Superman-Kult nun seit 25 Jahren huldigt.

Ein Fremder als Superheld

Die Idee von einem Superman wird in den 1930er-Jahren geboren. Bevor er zum Superhelden wird, ist Superman noch ein Fiesling. Seine Erfinder Jerry Siegel (1914–1996) und Joe Shuster (1914–1992) sitzen noch in der Highschool und verdrängen die Realität wohl durch Tagträume von Schurken sowie Heldinnen und Helden. Zur gleichen Zeit ist Hitler der Machtergreifung in Deutschland immer näher. Eine wichtige Zutat seines Erfolges ist ein Antisemitismus, der von den Massen mehr als nur wohlwollend gehört wird. Doch auch in den USA wird die Realität durch einen immer spürbareren Anfeindungen gegen jüdische Mitbürger*innen bestimmt. Für die Jungen osteuropäisch-jüdischer Herkunft sicherlich eine Zeit der Sehnsucht und des Wunsches nach einem Helden. So wurde ein mit übernatürlichen Kräften ausgestatteter Heros zur Schöpfung ihrer Fantasie.

Superman kommt von Krypton und irgendwie nicht. Der Kartonist Jules Feiffer sieht als seinen Herkunftsplaneten Polen an. Lodz (Łódź), Krakau (Kraków), oder Wilna (pl. Wilno), das bis zum Zweiten Weltkrieg polnisch war. Es ist somit ein Wunder, dass Superman noch nicht von den polnischen Konservativen für ihre Propaganda entdeckt wurde. Aber der fliegende Heros in roten Stiefeln wäre ihnen sicherlich zu wenig katholisch. Vielleicht ist er noch nicht entdeckt wurden, weil er so super an die amerikanischen Werte angepasst ist. Superman, der exterritoriale Fremde, ist ein Bilderbuchamerikaner. Nach Jules Feiffer, »die ultimative Assimilationsfantasie«. Diese Kopfgeburt von zwei Migrationskindern wird 1938 breiter Öffentlichkeit vorgestellt. Noch ist nicht die Rede von einem »Super Museum« in Metropolis sondern einem Supermuseum in Linz. Gegen die Nazis kämpft aber Superman mit Erfolg und trägt wohl so zur Verhinderung dieses Projekts zumindest ein bisschen bei.

Supermans »Super Museum«

Nun ist aber Zeit für einen kurzen Museumsbesuch. Wegen fehlender finanzieller Ressourcen und Superflugkräfte findet dieser in Begleitung von »The Carpetbagger« statt. Dieser filmte seinen Museumsbesuch und stellte ihn auf Youtube ein. Vor dem Eintritt ins Museum führt er durch die Stadt. Erster obligatorischer Halt ist die Superman-Figur aus Metall, die zu einem Foto einlädt. Nicht wirklich weit von dieser Statue ist auch eine Bronzefigur von Lois Lane zu finden, die jedoch nicht mit der imposanten Größe der Superman-Figur ausgestattet wurde. Doch die Präsenz des Superman-Comics beschränkt sich nicht nur auf diese zwei Figuren. Vielmehr sind die Spuren Supermans in der ganzen Stadt zu finden. So auch bei einem Chiropraktiker mit Superman-Figur in der Auslage ähnlich wie im Geschäft »DEBBIE’S Eclectic Emporium« –was auch immer das ist. Das Superman-Zeichen ist sogar als Markierung auf der Straße zu finden. Gegen den Superman-Wahn wehrt sich nur das Fitnessstudio »THOR’s GYM«.

Das Epizentrum des Superman-Kultes ist aber das »Super Museum«, das in den dezenten Farben Rot, Blau und Gelb gehalten wird. So bunt ist es, dass es mit einer Bonbonfabrik verwechselt werden könnte. Im Inneren sind unzählige Objekte nebeneinander gereiht. Es sind überwiegend Superman-Spielfiguren sowie eine Fülle an Superman-Krimskrams. Die Wände sind buchstäblich mit Fotos und Plakaten zutapeziert. Von einem white cube mit einer dezenten Hängung kann hier keine Rede sein. Viel mehr ist es eine konzeptlose dichte Hängung, die jeden freien Platz nutzt. In bis an den Rand vollgestopften Vitrinen werden zusätzlich Accessoires aus den Superman-Filmen gezeigt. Eine Objektbeschriftung fehlt weitgehend. Bei den kleineren Objekten wird das Erkennen der Charaktere des Superman-Comics vorausgesetzt. Die wertvolleren Objekte wie die Filmkostüme werden mit handgeschriebenen Tafeln erläutert. Sie erlauben eine zeitliche Zuordnung und verweisen auf die unterschiedlichen Schauspieler*innen, die sie getragen haben.

Touristische Attraktionen

Das »Super Museum« scheint eher klein zu sein. »The Carpetbagger« verlässt nach wenigen Minuten bereits das Superman-Universum und besichtigt weiter die Stadt. Sein Ziel ist das Americana Hollywood Museum, das sich in der Nachbarschaft befindet. An diesem Tag ist dieses jedoch geschlossen. Doch er verpasst dort wohl nur wenig, jedenfalls wenn er eine museale Erzählung sucht. Ähnlich wie im »Super Museum« sind hier Objekte zusammengetragen worden, die nebeneinander willkürlich aufgestellt sind. Die Anordnung als willkürlich zu bezeichnen ist vielleicht aber unfair. Vielmehr ist es eine Ausstellungsweise, die sich an die Emotionen und Erinnerungen der Besucher*innen wendet. Es geht um das Wiedererkennen der Film- und Comiccharaktere, die uns ins Staunen versetzen. Sie erinnern uns an die kindlichen Träume, an das Eintauchen in Filmszenen und an die Wünsche selbst ein Held oder Heldin zu sein. Hier geht es also nicht um die Vermittlung von Wissen, sondern um Erinnerungen und Emotionen. Und natürlich geht es hier um Geld. Beide Museen sind wichtige Attraktionen, die in ein verschlafenes Nest unzählige Besucher*innen locken. Das touristische Programm wird durch eine alljährliche Superman-Feier, die am zweiten Wochenende im Juni stattfindet, ergänzt. Die Stadt ist selbst irgendwie zu einem Superman-Themenpark geworden, den sie in den 1970er-Jahren nicht realisieren konnte.

(Christoph)

Zum Weiterlesen:
Jules Feiffer: The Great Comic Book Heroes. Intro & Afterword 
Jules Feiffer: The Minsk Theory of Krypton. The New York Times Magazine, 1996
Deborah Friedell: Kryptonomics. Why Superman’s creators got a raw deal, The New Yorker, 2013
Superman through the ages

Und wer noch nicht genug von Comics hat, hier das Digital Comic Museum mit unzähligen alten digitalisierten Comics

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